Zahnspange? Kieferorthopädie? Der Bundesrechnungshof kritisiert Zahnspangen zu Recht

Eine Milliarde Euro! Diese unglaubliche Summe geben die Krankenkassen jedes Jahr für kieferorthopädische Behandlungen aus. Seit 2008 haben sich die Kosten nahezu verdoppelt. Ist das gerechtfertigt?

Die Autorin Raina Telgemeier hat ein autobiografisches Comic mit dem Titel "Smile" geschrieben und dort Ihr jugendliches Zahnspangentrauma verarbeitet. Sie berichtet über Mobbing in der Schule, ersten Herzschmerz und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens.

Für was stehen Kieferorthopädische Behandlungen nun? Für medizinisch notwendige Leistungen, für die es keine Alternative gibt? Oder für unendliche jugendliche Traumata, die womöglich unnötig waren?

Der Bundesrechnungshof verlangt vom Gesundheitsministerium, den Nutzen von Zahnspange und Co.  wissenschaftlich klären zu lassen. Zu Recht findet Erik Hillmann, Geschäftsführer des Dentallabors dental future aus Hofheim am Taunus (zwischen Wiesbaden und Frankfurt).

Was ist bisher zur Kritik an der Kieferorthopädie bekannt:

  • Ungefähr die Hälfte aller Kinder in Deutschland geht regelmäßig zum Kieferorthopäden. Doch wie sinnvoll sind die von den Kieferorthopäden verordneten Therapien? Der Bundesrechnungshof fordert eine umfassende Überprüfung.
  • Die Gesetzlichen Krankenkassen investieren jährlich mehr als eine Milliarde Euro in Behandlungen beim Kieferorthopäden. Die Ausgaben pro Patient haben sich zwischen 2008 und 2016 etwa verdoppelt. Eine Erklärung für diese Kosten-Verdoppelung pro Patient in nur 8 Jahren existiert nicht. Die meisten Behandelten sind Kinder und Jugendliche.
  • Der Bundesrechnungshof beklagt auch, dass weder Gesundheitsministerium noch Krankenkassen wirklich Bescheid wissen.
  • Zudem fehlen bundesweite Daten etwa zu Art, Dauer und Erfolg der Behandlungen. Und das Wichtigste: Ob und wie sehr Patienten vor allem langfristig von den Eingriffen profitieren, ist unbekannt.
  • Die Kritik ist nicht neu! Schon 2001 hat der “Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“ die Datenlage zum Verhältnis Kosten und Nutzen der Kieferorthopädie kritisiert. Und 2015 hatte ein Forscher der Uni Greifswald in einem Fachaufsatz thematisiert, dass der Nutzen kieferorthopädischer Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen oft fraglich sei.
  • Das Behandlungskonzept der deutschen Kieferorthopäden basiert auf einem Urteil des Bundessozialgerichtes von 1972, mit dem Kiefer- oder Zahnstellungs-Anomalien als Krankheit gelten. Laut Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde ist denn auch "jede von der Norm abweichende Erscheinung" als Krankheit anzusehen. Doch ist das gerechtfertigt? Jens Türp, Sprecher des Fachbereichs Zahnmedizin im Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin, hat dies bereits vor Jahren kritisiert. Und darauf hingewiesen, dass kaum ein Mensch von Natur aus ein ideales Gebiss hat. Und eine Abweichung davon nicht als Grundlage für eine Therapieentscheidung gelten könne.

Kieferorthopädie? Täglich grüßen schlimme Langzeitfolgen 

Erik Hillmann vom modernen Dentallabor dental future weiß nicht nur was es heißt, wenn das ganze Zahnspangen-Trauma unnötig war. Bei seinen Kunden (den Zahnärzten in Frankfurt, Wiesbaden, Mainz usw.) und in seinem Dentallabor ist fast täglich sichtbar, welche schlimmen Langzeitfolgenden durch Kieferorthopädische Maßnahmen erst entstehen können. Bei diesen Patienten hat die Zahnspange eben nicht dafür gesorgt, dass ein funktional gesundes und natürliches Gebiss entsteht. Sondern die Funktionalität ist komplett zerstört. Die Folgen sind Beschwerden beim Kauen, schwere Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) zum Teil mit Kiefergelenksschmerzen, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und weiteren Gelenkschmerzen.

Dental future arbeitet auch seit langem mit ganzheitlichen Zahnärzten, Osteopathen und anderen Therapeuten zusammen. Und wer ganzheitlich auf den Körper schaut, der kann Zusammenhänge erkennen: Die Folgen einer Zahn-Fehlstellung durch eine Zahnspange können sich im Lauf der Zeit durch den Körper fortsetzen und z.B. eine Fehlhaltung der Wirbelsäule, der Hüfte und damit der Knie bewirken. Mit der Folge von Schmerzen und Störungen im ganzen Bewegungsapparat.

Schienentherapie und Prothetische Lösung mit Anfang 20 - wegen Zahnspange

Wie kann man solch dramatische Fehlentwicklungen nun therapieren? Erik Hillmann erklärt:
Es ist traurig, aber wahr! Oft sind es junge Erwachsene mit Anfang 20, bei denen nur der kosmetische Aspekt der Zahnumstellung im Vordergrund stand und der funktionelle unter Berücksichtigung des Kiefergelenkes vernachlässigt wurde. In vielen Fällen hilft dann nur eine Schienentherapie. Dafür wird bei dental future erst mal eine umfangreiche Funktionsanalyse erstellt. Verwendet wird hierbei die instrumentelle Funktionsdiagnostik mit dem DIR®-System.

 

Quellen:

  • http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/zahnspange-kritik-an-kieferorthopaedie-unerwuenscht-a-1037018.html
  • http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kieferorthopaedie-bundesrechnungshof-kritisiert-mangelnde-kontrolle-a-1204449.html
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/94688/Bundesrechnungshof-kritisiert-Kosten-fuer-kieferorthopaedische-Behandlungen
  • https://www.tagesspiegel.de/politik/kritik-des-bundesrechnungshofes-milliarden-fuer-kieferorthopaedie-aber-wie-sinnvoll-sind-die-ausgaben/21204546.html

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